Forum "Haus zum Husky"

Der Verlust eines Hundes

#1 von Sternchen , 28.02.2008 11:25

Der Verlust eines Hundes
- und wie wir ihn berwinden
Elli H. Radinger
animal Learn Verlag
128 Seiten mit vielen farbigen Fotos
und Lesezeichen
Bernau 2007
ISBN 978-3-936188-38-7
15,00 €



Bestellen könnt Ihr ein signiertes Exemplar bei der Autorin





Wenn wir einen Hund verlieren, verlieren wir nicht nur ein Haustier, sondern auch einen loyalen Gefährten, treuen Begleiter und vertrauten Freund. Der Schmerz scheint unerträglich und gerade deshalb ist es wichtig, auf ihn vorbereitet zu sein - so gut dies eben möglich ist.
“Der Verlust eines Hundes” nimmt den Leser an die Hand und führt ihn durch den ersten Schmerz und die Stadien der Trauer, unterstützt bei der Planung des Begräbnisses und beschäftigt sich mit Fragen über die Unsterblichkeit der Seele. Die Autorin berichtet dabei einfühlsam über eigene Gedanken, Gefühle und Erlebnisse rund um den Tod ihres Hundes und zeigt Wege auf, durch den Schmerz hindurchzugehen und gestärkt aus dem Leid hervorzukommen - und vor allem zu erkennen, dass wir nicht allein sind.

Inhalt

Einleitung
Der Verlust
... durch den Tod
... durch Verschwinden
... durch Entzug
... durch Scheidung
Euthanasie – ja oder nein?
Die Rechtslage
Ethik und Verantwortung
Wann ist der richtige Zeitpunkt?
Der Sterbeprozess
Der Trauerprozess
Die Stadien der Trauer
Der Schock, die Verleugnung, der Unglaube
Das Verhandeln
Die Reaktion, aufbrechende Gefühle
Der Zorn
Die Schuld
Die Depression
Die Akzeptanz und Neuorientierung
Letzte Arrangements und Rituale
Die Mitnahme durch den Tierarzt
Das Begräbnis
Die Einäscherung
Andere Bestattungsmethoden
Der virtuelle Tierfriedhof
Trauerrituale
Trost für Kinder
Fragen, die Kinder stellen können
Wie können Sie nun Ihren Kindern helfen, den Tod ihres Hundes zu verarbeiten?
Trost für andere Tiere
Wie nehmen Tiere den Tod eines anderen, ihnen nahe stehenden Tieres wahr?
Wie können Sie dem zurückgebliebenen Tier in seiner Trauer helfen?
Sollen andere Tiere beim Einschläfern eines Gefährten mit dabei sein?
Was nun, wenn ein Tier in der Familie plötzlich durch einen Unfall stirbt oder
einfach verschwindet?
Kommen Hunde in den Himmel?
Die Einstellung der Religionen zum Tod eines Hundes
Die andere Seite des Regenbogens
Ein neuer Anfang
Wenn Wölfe trauern
Danksagung
Anhang
Bibliografie


 
Sternchen
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Beiträge: 4.562
Registriert am: 25.01.2007


RE: Der Verlust eines Hundes

#2 von Sternchen , 28.02.2008 11:26

Hier eine Leseprobe:



Aus: Einleitung

Ostersonntag

Ich sitze am Computer. Es ist ein strahlend schöner Ostermorgen mit blauem Himmel und einzelnen Schäfchenwölkchen. Weit hinten am Horizont ziehen dunkle Wolken auf. Neben mir höre ich ein leichtes Schnarchen und Schnaufen. Es ist Lady. Gleich, wenn sie wach wird, wird sie aufspringen und ihren Spaziergang einfordern. Wir werden zu einem kleinen See ganz in der Nähe fahren. Dort werde ich Stöckchen für sie ins Wasser werfen, und sie wird mit einem großen Sprung hineinspringen, die Stöcke apportieren und damit ihren Labrador-Vorfahren alle Ehre machen. Nach einem langen Spaziergang werde ich sie mit dem Handtuch trocken reiben und meine Nase in ihr nasses Fell stecken. Ich liebe den Geruch von nassen Hunden. Kein Parfüm der Welt kann schöner riechen. Dann werden wir nach Hause fahren, uns gemütlich irgendwohin kuscheln und uns einen schönen Tag machen.

Ich wünschte, so könnte unser Ostersonntag sein. So war er es 15 Jahre lang. Aber die Realität ist eine andere: Lady schläft ruhig – zur Zeit zumindest. Sie hat eine Beruhigungstablette bekommen und außerdem eine Tablette gegen Übelkeit. Zusätzlich hat sie die übliche Dosis Herz- und Entwässerungstabletten erhalten, außerdem noch die Höchstdosis Metacam, die ihr hilft, die Entzündungen und Schmerzen der Arthrose zu bekämpfen. Ich bin dankbar für die kurze Zeit der Ruhe – für sie und für mich. Ich weiß nicht, wie lange sie währt. Bald wird sie wieder aufwachen und rastlos durch das Haus laufen, mit zitternden Beinen, weil ihre Muskeln schon schwach geworden sind, mit angelegten Ohren und eingeklemmter Rute, weil sie alles anstrengt. Sie wird mich hechelnd mit ihren großen braunen Augen anschauen. Dann nehme ich sie in den Arm und versuche, sie zu beruhigen. Meist windet sie sich gleich wieder heraus und läuft weiter auf und ab, will zur Tür hinaus in den Garten, aber auch dort läuft sie stundenlang um das Haus, getrieben von Unruhe und Schmerzen. Ich werde ihr dann die nächste Dosis Tabletten geben und darauf hoffen, dass sie wieder ruhiger wird.
In diesen Phasen der Unruhe blutet mein Herz, weil ich ihr helfen möchte und es nicht kann. Meine Tierärztin sagte bei unserem letzten Besuch: „Hoffentlich wird dieses Ostern nicht so schlimm wie letztes Jahr.“ Sie hatte damals ausgerechnet während der Feiertage ständig Tiere einschläfern müssen. Ich will ihr das ersparen und bin doch gleichzeitig wütend auf mich, weil ich darauf Rücksicht nehme. Kann ich denn den Tod eines Tieres vorausplanen? „Dienstags zwischen 12 und 14 Uhr passt es mir.“
Ja, der Tod steht vor unserer Tür. Und ich bin bereit – zumindest so bereit, wie man sein kann, wenn man das Liebste, was man hat, gehen lassen muss. Ich hatte Zeit mich vorzubereiten. Lange habe ich es nicht wahrhaben wollen, obwohl das Alter meiner Hündin deutlich gesprochen hat. Ein großer Rassehund ist mit 15 Jahren alt. Aber es gibt immer wieder einmal Ausnahmen, manche Hunde werden 16, 17 oder sogar 18 Jahre alt, so wie der Hund meines Nachbarn, der nur im Keller oder im Garten angeleint gelebt hat. Das Leben ist nicht fair.
Mein Gefühl hat schon viel länger als mein Verstand gewusst, dass ich mich vorbereiten muss. Ohne ersichtlichen Grund beschäftige ich mich schon seit Ende letzten Jahres mit dem Tod. Ich lese die wunderschönen Bücher von Elisabeth Kübler-Ross über das Sterben und habe seit Januar die Telefonnummer unseres örtlichen Hospizes in der Tasche, wo ich mich seit Längerem als freiwillige Helferin melden will. Bei meiner Reise nach Yellowstone in diesem Winter, wo ich seit vielen Jahren die Wölfe beobachte und darüber Bücher schreibe, ist mir der Tod vielfach begegnet, öfter als je zuvor. Ich hatte Jäger als Nachbarn meiner Blockhütte und fand tote Tiere ganz in der Nähe. Ich sah Tiere im Park sterben, nicht auf natürliche, schnelle Weise, indem sie von Raubtieren gerissen wurden, sondern alleine und qualvoll. Eine Bisonmutter war mit ihrem Kälbchen in das Eis eines Sees eingebrochen. Sie konnten nicht mehr aus eigener Kraft heraus. Tagelang beobachtete ich das einsame und qualvolle Sterben. Zuerst ertrank die Mutter. Dies hielt das Kälbchen länger am Leben, weil es auf der toten Mutter stand und so nicht ertrinken konnte. Aber es konnte auch nicht aus dem Wasserloch heraus. Ich redete mit den Rangern und bat sie eindringlich, das Tier von seinem langsamen Sterben zu erlösen – und erntete nur Unverständnis und die Bemerkung, dass dies eben „die Natur“ sei. Damals ahnte ich noch nicht, dass es bald meine Pflicht werden würde, ein Tier zu „erlösen“ …
Ich kam nach Hause und erhielt die Nachricht, dass mein erster Mann, der mir immer noch sehr nahe stand, plötzlich gestorben war. Und schließlich mailte mir meine Freundin aus den USA, dass ihre Krebserkrankung wieder ausgebrochen war, die Metastasen bereits gestreut hatten. Ich war buchstäblich umgeben vom Tod.
Ich habe schon seit vielen Jahren eine andere Einstellung zum Tod als die meisten Menschen. Intellektuell und spirituell habe ich ihn analysiert, verstanden, verarbeitet. Ich habe ihn sogar willkommen geheißen, als mein erster Hund starb und als ich beim Sterben meines Großvaters dabei sein durfte. Es waren ganz besondere, transformierende und wunderschöne, wenngleich auch traurige Momente. Ich habe mich auch auf Ladys Tod vorbereitet. Im Spätherbst letzten Jahres hatte ich ihr aus einer Ahnung heraus schon ein tiefes Grab im Garten ausgehoben, dicht am Teich, damit sie ihr geliebtes Wasser in der Nähe hat. Ich wollte vorbereitet sein, wenn sie im tiefsten Winter und bei starkem Frost von mir ging, oder wenn sie sterben würde, während ich wieder einmal in Amerika war und sie bei meinen Eltern lebte. Als ich ihr Grab aushob, lag sie dabei und schaute zu. Ich glaube, der Platz hat ihr gefallen.
Als es ihr in den letzten Wochen deutlich schlechter ging, habe ich mich auch intellektuell mit dem Tod eines Hundes beschäftigt, unzählige Bücher gelesen und mit Freunden gesprochen, die ebenfalls Hunde verloren haben. Ich war mit ihr bei meiner Tierärztin, und wir haben besprochen, wie wir vorgehen werden, wenn sie eingeschläfert werden muss. Der Bluttest ergab, dass ihre Nieren anfingen zu versagen. Die Werte waren dreifach erhöht, sie hatte alle Anzeichen einer Niereninsuffizienz. Sie trank Unmengen von Wasser, und ihr Urin war sehr hell; das bedeutete, dass ihr Körper keine Giftstoffe mehr ausschied. Ihren Darm hatte sie schon seit Monaten nicht mehr unter Kontrolle, etwas, womit ich gut leben konnte. In letzter Zeit kamen Gleichgewichtsprobleme dazu, was, wie ich gelesen habe, ebenfalls ein Anzeichen für Nierenversagen sein kann. Jetzt ist noch die Übelkeit hinzugekommen.
Mein Verstand weiß, dass es Zeit ist, sie gehen zu lassen. Aber die Realität ist eine andere. Jetzt ist alle Vorbereitung vergessen, und dort, wo mein Herz ist, herrscht nur noch purer, roher Schmerz. Ich klammere mich noch an den letzten Funken Hoffnung. Immer, wenn sie so wie jetzt schläft und ruhig atmet, hoffe ich, dass die Unruhe nur ein momentaner Zustand war und sie sich wieder erholt. Und ich hoffe, dass sie in tiefem Schlaf hinübergleitet in die andere Welt hinter dem Regenbogen. Aber so ist es nicht. So wie ich vor fast 15 Jahren die Verantwortung für sie übernommen habe, als ich sie aus einem amerikanischen Tierheim holte, so fordert das Schicksal jetzt die letzte Verantwortung von mir: sie loszulassen und ihr auf den Weg nach Hause zu helfen. Ich hadere mit Gott, bitte um mehr Zeit: „Nur noch bis zum Sommer“, „noch ein paar Tage“ und schließlich „nur noch eine Nacht“. Vielleicht kann ich ein wenig Zeit gewinnen. In ihrer Liebe würde Lady sicher bereit sein, mir noch ein paar Tage zu schenken, auch wenn sie sich dabei quälen müsste. Aber das darf ich ihr nicht antun. Als ich sie aus dem Tierheim nach Hause holte, habe ich ihr versprochen, immer für sie da zu sein. Jetzt ist der Tag gekommen, mein Versprechen einzulösen.
….

Aus: Der Trauerprozess

Es gibt Vereine, denen wir niemals beitreten möchten, deren Mitglied wir aber trotzdem werden. Sie erlegen uns eine Art „Zwangsmitgliedschaft“ auf. Nach dem Tod meines Hundes wurde ich Mitglied in einem solchen Verein und alle, die wir Hunde haben, finden sich eines Tages plötzlich in ihm wieder. Es ist der „Ich-habe-meinen-Hund-verloren“-Verein. Wann immer ich jemanden traf und fragte: „Wie geht es Sandy?“ oder „Was macht Kora?“ war die Antwort: „Sie ist tot“. Mein Herz wurde weit vor Mitgefühl und ich dachte: „Willkommen im Club.“
Eigentlich bin ich keine Expertin in Sachen Trauerarbeit. Aber jeder, der durch Schmerz und Verlust geht, sammelt seine Erfahrung, wie dieser Situation am besten begegnet werden kann – und so war es auch bei mir.
Es gibt eine Geschichte über Buddha und eine Frau, deren Sohn gestorben war. Sie bat ihn, ihr zu helfen, den Schmerz zu überwinden. „Mein Sohn ist gestorben“, sagte sie. „Bitte mach ihn wieder lebendig.“ Buddha versprach, dies zu tun. Schon bei dem Gedanken, ihren Sohn bald wieder zurückzuhaben, begann der Schmerz der Frau zu verschwinden.
„Aber da gibt es etwas, was du zuerst tun musst“, sagte Buddha. „Bring mir drei Steine. Jeder muss von einem Menschen oder einer Familie kommen, die niemals einen Verlust erlitten hat.“
Die Frau machte sich auf die Suche nach drei Menschen, die diese Voraussetzungen erfüllten und ihr einen Stein geben konnten. Es dauerte sehr lange, ehe sie zu Buddha zurückkehrte. Sie kam mit leeren Händen. „Ich konnte niemanden finden, der mir einen Stein gab“, sagte sie. „Was hast du daraus gelernt?“ fragte Buddha. „Ich habe gelernt, dass wir alle leiden und jemanden oder etwas verlieren, das wir lieben.“
Der Tod eines Hundes ist ein schreckliches Erlebnis, bei dem wir wenig Trost von außen erwarten können. Um ein Tier zu trauern, wird häufig noch immer nicht sozial anerkannt. Wenn wir einen Menschen verlieren, dann dürfen wir offen über einen begrenzten Zeitraum trauern. Wenn wir einen Hund verlieren, müssen wir in Stille trauern und so tun, als sei nichts geschehen. „Es ist doch nur ein Hund“ ist oft die Antwort. Oder „Dann schaff dir halt wieder einen neuen an.“ Meist hört man solche Sätze von Menschen, die selber keine Tiere haben. Lassen wir uns dadurch nicht beirren. Trauer ist ein Gefühl; niemand hat das Recht, darüber zu urteilen. ...



 
Sternchen
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RE: Der Verlust eines Hundes

#3 von Yukkimaus , 28.02.2008 12:43

Marianne

Das sind sehr gute Themen und früher oder muss sich jeder Hundehalter damit auseinander setzen.

für diesen Buch-Tipp

LG
Ute

 
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RE: Der Verlust eines Hundes

#4 von Yukkimaus , 28.02.2008 12:46

Schnief, schluchts und heul !

Und das allein bei der Leseprobe "Ostersonntag".

Gruß
Ute

 
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