Forum "Haus zum Husky"

Welpenschutz

#1 von Rino , 20.07.2007 06:47

Guten Morgen allerseit`s

Ich brauche Euer Fachwissen,und Eure Erfahrung, zum Thema Welpenschutz.

Mein Wissen ist ein bischen angeknackst. Hat mir doch einer erzählt,

Welpenschutz.... Blödsinn, das gibt es gar nicht.

Ich hoffe die Sommerpause im Forum ist bald zu Ende, und

ich bekomme viel Antwort.

einen schönen Tag wünscht Brunhilde


Lieben Gruß Brunhilde

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Man kann auch ohne Hund leben,
Aber es lohnt sich nicht
v. Heinz Rühmann
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Rino
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zuletzt bearbeitet 20.07.2007 | Top

RE: Welpenschutz

#2 von Yukkimaus , 20.07.2007 08:03

Hallo Brunhilde,

Welpenschutz ist ein Ammenmärchen. Den gibt es nur innerhalb des eignen Rudels!
Hunde die damit nichts zu tun haben, sehen die Welpen als "Freiwild" an.

Bis dann
Ute


 
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RE: Welpenschutz

#3 von Yukkimaus , 20.07.2007 08:25

Nachtrag - Habe da noch was gefunden.

Welpenschutz

Was den Welpenschutz betrifft so gibt es die verschiedensten Vorurteile und Märchen in der Literatur und im Volksmund.
Greift ein älterer Hund einen Junghund an so wird er gleich als asozial und verhaltensgestört dargestellt. Auch hört man oft Halbwahrheiten wie ein Welpenschutz würde nur im eigenen Rudel existieren.
Wollen wir jedoch biologisch korrekt sein dürften wir keinen Hund über 14 Wochen als Welpen bezeichnen. Will man sich an führende Verhaltensforscher wie Zimen oder Trumler anlehnen so ist die Welpenphase rein biologisch bereits mit 12 Wochen vorbei und es könnte, selbst wenn es ihn gäbe, demnach daher danach auch kein Welpenschutz erwartet werden.
In der Frage ob es Welpenschutz jedoch überhaupt gibt sollte man etwas differenzierter vorgehen.Tatsächlich haben Welpen bei erwachsenen Hunden oft relative Narrenfreiheit um dies zu verstehen muss man sich das hundeverhalten etwas genauer ansehen.

Im freien Rudel achtet die erste Zeit – in der Regel bis zum Fressen fester Nahrung – die Mutterhündin auf den Nachwuchs. Diesen Schutz gewährt sie allerdings nicht selten, nachdem sie zunächst die von ihr als nicht lebenswert erachteten Tiere achtlos verhungern ließ oder gar aktiv tötete.
Schon an dieser Eigenschaft sieht man, dass der Welpenschutz an sich kein biologisches Grundgesetz ist wie wir es uns oft romantisierend wünschen.
In dieser Zeit wird der Wurf massiv gegenfremde Rudelmitglieder verteidigt, je nach Alter zunächst völlig tabuisiert und dann zunehmend lockerer.
Im Alter von etwa 8 Wochen müssen die Welpen zunehmend mit Konsequenzen für Ihr Verhalten rechnen und werden auch von unbeteiligten Rudelmitgliedern zur Rechenschaft gezogen, erst sanft dann zunehmend stärker und deutlicher.

In der Regel wird jedoch keiner der Welpen ernsthaft verletzt da letztendlich der Wurf rein biologisch das Fortbestehen des Rudels garantiert und damit der eigenen Sicherheit dient.
Es ist ein feines System von Welpen die Ihre Grenzen beim jeweiligen Gegenüber kennen und Althunden oder Altwölfen welche die Welpen aus eigenem Interesse erziehen aber nicht dauerhaft beschädigen.
Wie sieht es jedoch mit fremden Welpen aus?
Gefangenschaftsrudelhaltung bei Hunden und Wölfen zeigten, dass fremde Welpen nicht selten getötet werden was biologisch den Zweck haben könnte die eigene Existenz zu sichern. In der Natur kommt dies selten vor da erwachsene Tiere kaum fremde Welpen zu sehen bekommen dürften, weil deren Rudel sie verteidigen wird. Es obliegt also aus mehrfacher Sicht dem Besitzer des Junghundes diesem eine Balance aus Sicherheit zu geben und das Gefühl für sein Verhalten auch gradestehen zu müssen.
Man sieht also, dass der Welpenschutz weder im eigenem Rudel (eventuelles töten der Welpen durch die Mutter) noch fremden Welpen gegenüber existent ist.
Der Welpenschutz hängt alleine davon ab wer wie gut auf die Welpen aufpasst und wie gut der Welpe sich der Folgen seines Handelns bewusst ist.

Der einzig wirksame Welpenschutz ist der Schutz den die Mutter Ihnen gewährt. Genießt sie Respekt so wird den Welpen nichts geschehen.

Man kann also nicht einfach von einem asozialen Verhalten reden, wenn sich ein Fremdhund auf einen Junghund jenseits der 10 Wochen stürzt und diesen angreift, auch wenn es uns nicht gefällt ist es unter Umständen natürliches Hundeverhalten.
Da aber natürliches Hundeverhalten in unserer Gesellschaft oft nicht erwünscht und durchführbar ist muss, hier Erziehung eingreifen.

Oft geschehen diese Angriffe aus territorialen Hintergründen auf Spaziergängen während der Welpe harmlos spielt.
Der fremde Hund sieht den neuen Junghund in seinem Revier, mit seinen Stöckchen spielen oder seine Vögel jagen, oder gar stürmisch gegen jede Etikette auf sich zulaufen oder schlimmer noch ihn ( den aus seiner Sicht gesehenen Revierbesitzer) einfach ignorierend.
Auf die normalen Zeichen wie Stehenbleiben, Ohren vorlegen, steif gehen, Rute heben, größer machen, Verlängern der Maulspalte, Front zu Front stehen, Umkreisen auf Entfernung, T- Stellung oder direktes Ansehen achten die Welpen oft nicht und der fremde Hund nimmt sich der Erziehung an wie er es als Hund als normal empfindet.
Man kann also sagen, dass in aller Regel kein asoziales Verhalten vorliegt, sondern völlig normales Hundeverhalten.
Das Problem dieser Situation liegt darin, dass sich die Besitzer beider Hunde dessen nicht bewusst sind. Die einen können ihren Hund nicht kontrollieren da er erstens nicht gut genug hört und sie zweitens sich gar nicht der möglichen natürlichen Reaktion bewusst sind und die Junghundehalter da sie Ihren Junghund wie einen Welpen halten und nicht wie einen Junghund der für sein Verhalten geradestehen muss. Oft wurde ihm nicht einmal die Möglichkeit gegeben im Welpenkindergarten oder auf Spaziergängen seine Kommunikationsfähigkeiten mit anderen Hunden zu fördern.


 
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RE: Welpenschutz

#4 von Shira , 21.07.2007 20:47

Zu dem Thema Welpenschutz sollten sich auch mal Hundeschulen Informieren. Die Hunde meiner schule Bissen sogar die kleinen.
Und was huskys betrifft habe ich noch keine Hundeschule gefunden die sich mit der rasse beschäftigt haben.
Fand ich traurig!

Gruß Kerstin und Shira


 
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RE: Welpenschutz

#5 von Bushidomathias , 24.07.2007 08:42

Hallo Zusammen,

vor einiger Zeit diskutierten wir bei Bare Mountain dieses Thema. Zur Erklärung und Veranschaulichung Dessen, habe ich dann diesen Artikel für den dortigen Fachbereich verfasst.

Zur Erklärung: manche kynologische Fachbegriffe stehen nun hier im Forum, scheinbar ohne erkennbaren Sinnbezug. Diese sind auf Bare Mountain mit Verlinkungen zur Erklärung anderer Begrifflichkeiten versehen, was hier nicht funzt.

Welpenschutz:

Welpen sind im Umgang mit ihren erwachsenen Artgenossn bis zu einem gewissen Grad vor Deren Aggressionsbereitschaft geschützt. Aggressives Verhalten / Aggressivität
Dieser sogenannte Welpenschutz, auch wenn er keinesfalls immer und überall zuverlässig gewährleistet ist, hat einen gut nachvollziehbaren Verhaltensbiologischen Hintergrund.
In Gruppengemeinschaften, also in Rudeln Rudel sind Jungtiere gegenüber erwachsenen Tieren letztenendes Nahrungskonkurrenten. Sie hätten wenig Chancen, sich im Nahrungserwerb, wie beispielsweise bei der Aufteilung die Beute , gegenüber erwachsenen Rudelmitgliedern durchzusetzen.
Zur Sicherung ihres Überlebens hat die Evolution deshalb Mechanismen geschaffen die dafür Sorgen, daß sie nicht ständig unterliegen, sondern vielmehr von den Erwachsenen Fürsorge erfahren.
Einer dieser Mechanismen ist offensichtlich das Kindchenschema Kindchenschema , das mit seinen verschiedenen Merkmalen kindlichen Verhaltens dazu führt, daß sich erwachsene Tiere im aggressiven Verhalten gegenüber den Jungen zurückhalten.

Beobachtet man Wölfe und Hunde bei der Aufzucht ihres Nachwuchses, so hat man den Eindruck, daß die erwachsenen Tiere nicht nur einen schonenden, sondern oft auch einen eher gehemmten Umgang mit den Jungtieren haben Hemmung. Manchmal scheint es regelrecht so, als hätten die Erwachsenen Angst, wenn sie sich den aufdringlichen Attacken der Kleinen durch ausweichen oder gar Flucht entziehen.
Bei solchen Interaktionen Interaktion kommt geradezu beispielhaft der natürliche Konflikt zwischen Gewährenlassen und Zurechtweisen des Nachwuchses zum Ausdruck. Dementsprechend sind dabei auch Konfliktreaktionen zu beobachten Konfliktverhalten / Konfliktreaktion.

Die Mechanismen des Welpenschutzes lassen bei unseren Hunden auch eine gewisse Form von "Narrenfreiheit" im Umgang mit fremden Welpen zu. Dazu müssen allerdings verschiedene Vorraussetzungen erfüllt sein. So ist es unabdingbar, daß der erwachsene Hund selbst ausreichend sozialisiert ist Sozialisierung und regelmäßig problemlosen Umgang mit fremden Hunden hat. Außerdem muss es dem erwachsenen Hund möglich sein, sich den eventuellen Aufdringlichkeiten des Welpen zu entziehen.

Unter solch normalen Bedingungen sollte eine Begegnung zwischen Welpen und fremden erwachsenen Hunden problemlos sein und im Interesse notwendiger sozialer Erfahrungen auf beiden Seiten immer wieder stattfinden - gegebenenfalls nach Vorheriger Absprache der Besitzer.

Eine problemlose Begegnung zwischen einem Welpen und einem fremden erwachsenen Hund aufgrund des Welpenschutzes kann aber nicht von vornherein erwartet werden. Daran ist unter Anderem die Tatsache beteiligt, daß es bei der Vielzahl von Hunderassen nicht wenige gibt, die in ihrem Erscheinungsbild lebenslang ein Kindchenschema mit sich herumtragen, in ihrem Verhalten aber, auch anderen Hunden gegenüber, ganz und gar "giftig" sind.
Hier ist es dann oft eine Frage der Vorerfahrungen, welche ein Hund mit solchen fremden Artgenossen gemacht hat, wie die Welpen aussahen, sich aber ganz anders verhielten (ich hätte Hier einige Geschichten, passend zu diesem Thema zum Besten zu geben).

Zudem gibt es leider Hunde, die in ihrer (sozialen) Wahrnehmung gestört sind Wahrnehmungsstörung
und / oder Einbussen in ihrem Hundlichen Ausdrucksverhalten haben Kommunikation / Kommunikationslernen

Der Welpenschutz kann aber noch eine andere - oft nicht durchschaute - Kehrseite haben. Läßt sich beispielsweise ein erwachsener Hund, der mit einem neu hinzugekommenen Welpen in einer Gemeinschaft lebt, alles gefallen, so kann das dazu führen, daß sich der heranwachsende Welpe infolge einer unbegrenzten "Narrenfreiheit" zu einem unangenhmen , stets nach Dominanz strebenden Hund entwickelt Dominanzstreben .

Eine weitere Kehrseite kann auch darin bestehen, daß ein Welpe aufgrund des Kindchenschemas von seinem menschlichen Fürsorgegaranten Fürsorgegarant nicht richtig ernst genommen und deshalb in seiner Entwicklung zu wenig gefordert und gefördert wird Überbehütung.


Quelle: Andrea Weidt


Liebe Grüße, Mathias



Der Kopf eines Bären, das Herz eines Löwen, die Gewandheit einer Katze - der American Akita

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zuletzt bearbeitet 24.07.2007 | Top

RE: Welpenschutz

#6 von Sternchen , 24.08.2007 14:40

Hallo Brunhilde,

Ein Beispiel vom Welpenschutz


Labradorrüde Bruno, 5 Jahre, knurrt Huskywelpe Luna, 3 Monate, an und drückt sie mit der Pfote auf den Boden, als diese fröhlich bellend wie ein Flummi an ihm hochspringt. Luna jault in den höchsten Tönen und flüchtet mit eingezogenem Schwanz, sobald Bruno von ihr ablässt. Ihr ist nichts passiert, aber beide Hundebesitzer sind entsetzt: Luna hat doch Welpenschutz, warum ist Bruno so böse zu ihr?




Die Mär vom Welpenschutz geistert noch durch so manche Menschenköpfe. Wenn es so etwas wie Welpenschutz gibt, dann unter ganz bestimmten Voraussetzungen und nicht in jedem Fall. Welpenschutz gilt nur für Welpen des eigenen Rudels, und auch nur in Grenzen. Wird ein Welpe zu dreist und aufdringlich, so wird er von dem erwachsenen Hund deutlich zurechtgewiesen, so wie es Bruno getan hat. Ein gut sozialisierter Hund wird sich so verhalten wie der Lapradorrüde: Ein Welpe darf vieles aber nicht alles.

Nun gibt es aber auch Hunde, die definieren „eigenes Rudel“ anders. Eigenes Rudel ist eben nur der eigene Wurf, die eigene Familie. Fremde Welpen sind auch nur fremde Hunde, und werden auch so behandelt. In der Regel passiert dann bei einer Begegnung nichts Schlimmes, weil der Welpe sich passiv unterwirft und so den erwachsenen Hund beschwichtigt. Außerdem lernt der kontaktfreudige Welpe auf diese Weise, wo die Grenzen sind.

Also freuen sie sich als Welpenbesitzer über solche Begegnungen, ihr kleiner Rüpel hat dann wieder ein Stück gutes Hundebenehmen gelernt.


Liebe Grüße
Marianne


 
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